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08.09.2022 - Frage des Tages: Warum geht ein Kamel durchs Nadelöhr?
Das Gleichnis Jesu mit dem Kamel und dem Nadelöhr (Markus 10,25: "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt." So ähnlich auch bei Lukas 18,25 und Matthäus 19,24) stellt viele Fragen auf: Warum sollte ein Kamel durchs Nadelöhr wollen?
Eine der lustigsten Deutungen dieses Vergleichs schlägt vor, dass die Rede von einer hypothetischen Gasse in Jerusalem sei, die sehr eng und mit einem kleinen Tor an ihrem Ende behaftet war, das im Volksmund "Nadelöhr" hieß. Hier konnte ein Kamel nur durchkommen, wenn es kniete und nicht mit zu viel Gütern bepackt war. Eine bildliche Darstellung findet sich in der Dortmunder Bonifatiuskirche.
Eine andere Deutung geht davon aus, dass nicht ein Kamel, sondern ein Tau gemeint (statt kámelos; dt.: "Kamel", "Karawane", kamilos, dt.: "Schiffstau", "Seil"). Vor allem im armenischen und georgischen Bereich wurden Bibelübersetzungen mit dem Tau gefunden. Die älteste Quelle mit "kamilos/Tau" findet sich in der syro-aramäischen Peschitta-Bibel, die auf ca. 145 n. Chr. datiert ist. Ist also die "Tau"-Variante älter und die "Kamel"-Variante nur eine Verballhornung oder in dem Bereich der Volksetymologien zu suchen?
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siehe >
Kamel in der Dortmunder Bonifatiuskirche.
➭ Bauer und Aland: Wörterbuch zum Neuen Testament (1988).
➭ Boisacq: Dict. étym., Bröndal und Haupt: „Camel and Cable“ (American Journal of Philology 45).

25.04.2022 - Frage des Tages: Was essen wir heute?
Huenre von Kriechen /Huhn von den Griechen
Diz heizzent huenre von Kryechen. Man sol huenre braten vnd ein /Man soll Hühner braten und ein
fleisch eines swines, weich gesoten. vnd gehacket vnder ein ander. /Fleisch eines Schweines, weich gesotten. Und gehackt unter einander
vnd nim einen vierdunc rosen dor zvo vnd nim yngeber vnd pfeffer /und nimm ein ? Rosen darzu und Ingwer und Pfeffer
vnd win oder ezzig vnd zucker oder honic vnd siede daz zvo /und Wein oder Essig und Zucker oder Honig und siede es da
sammene vnd gibs hin vnd versaltzez niht /zusammen und gib es hin und versalze es nicht!


09.12.2021 - Frage des Tages: Warum feiern wir vier Adventssonntage?
Bereits im 4. Jahrhundert ist die Vorbereitung auf Weihnachten als Fastenzeit aus Gallien und Spanien belegt. Seit dem 5. Jahrhundert wurde Advent auch in der Region um Ravenna gefeiert, in Rom etwas später. Uneinig war man sich lediglich über den Beginn der Adventszeit. Obwohl Gregor der GroĂźe (504-604) die Zahl der Adventssonntage auf vier festlegte, feierte man bis 16. Jahrhundert in jeder Region anders. Papst Pius legte schlieĂźlich 1570 die Adventsliturgie fĂĽr die gesamte Kirche fest.

23.06.2021 - Frage des Tages: Was ist "Zetermordio"?
"Zeter" ist ostmitteldeutsch fĂĽr Gerücht, Geschrei, beschreien; "Mordio" ist die allemannisch-rheinische Form davon (hessisch: heila/heilalle, norddeutsch: tiodute/to jodute, fränkisch: wapen). Es bedeutet so viel wie „ziehet her, kommt her“ (zusammengezogen: "zither") und wurde vor Gerichtsverhandlungen benutzt, um den Angeklagten zu beschuldigen: "so fure en vor den richter und schry obir den schuldigen zcether obir mynen morder und ober des landes morder, ader wy der bruch geschen" (Sachsenspiegel), etwa zu übersetzen mit "so führe ihn vor den Richter und rufe ĂĽber den Schuldigen "zeter" über meinen [des Anklägers] Missetäter und über den Landesverbrecher, oder wie der [Rechts-]Bruch geschehen" (Wikipedia "Zetermordio").
"drumb schrey ich zeter uber sie vor diesem gstrengen gricht allhie" (B. KrĂĽger 1580).
Bereits im 17. Jahrhundert wurde es nur noch als Wehklageruf benutzt.

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