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Archiv "Frage des Tages"

30.07.2017 - Frage des Tages: Wer konnte im Mittelalter schwimmen?
Der Aufenthalt in kaltem oder warmem Wasser gilt sowohl in römischer als auch germanischer Tradition als heilkräftig, nicht zuletzt ist die ältere Tauchtaufe zentrales Element des Christentums. Aktives Schwimmen ist eine der Sieben Ritterlichen Fertigkeiten, die von Lehrmeistern unterrichtet wird, so etwa an der Casa di Giocosa, die Vittorino da Feltre 1423 in Mantua eröffnete. Darstellungen an der Schwelle zur Neuzeit, z.B. das Narrenschiff von Hieronymus Bosch (gemalt 1496-1510) oder der Jungbrunnen von Lucas Cranach (gemalt 1546) zeigen geübte Schwimmerinnen und Schwimmer. Außerhalb des Adels gehörte Schwimmen sicher bei Ufer- und Küstenfischern zum Alltag, sei es zum Einrichten der Netze oder als Selbsthilfe bei einem Sturz ins Wasser.
siehe >
Lucas Cranach, Der Jungbrunnen
Hieronymus Bosch, Narrenschiff
➭ Werner Paravicini, Zur Einführung: Formen, Funktionen, Inhalte von Erziehung und Wissen bei Hofe, in: Paravicini, Werner; Wettlaufer, Jörg [Hrsg.],Erziehung und Bildung bei Hofe (Stuttgart 2002), 14-16.
➭ Wolfgang Behringer, Die Fugger als Sportartikelhändler, in: Wolfgang Weber und Regina Dauser, Faszinierende Frühneuzeit. Festschrift für Johannes Burckhardt (Berlin 2008) 115-135, bes. 117.
➭ G. Baader, Badewesen. In: Lexikon des Mittelalters, Bd 1, Stuttgart 2000, sp. 1340-1345.

13.04.2017 - Frage des Tages: Woher kommt die Bezeichnung "Gründonnerstag"?
Bereits im Spätmittelalter ist der "grüene dunrestage" bezeugt. Eine verbreitete Deutung der ersten Silbe ist die Ableitung aus dem mittelhochdeutschen Wort für "greinen", also weinen. Da dessen mittelalterliche Formen allerdings deutlich abweichend "grinen" oder "grainen" sind, geht die Vorsilbe tatsächlich auf die Farbe zurück, die im Spätmittelalter überwiegend als "grün" oder "grüen" erscheint. Damit wird auf den — bis heute in Hessen geübten — Volksbrauch Bezug genommen, an diesem drittletzten Fastentag fleischlose Gerichte mit den nun endlich verfügbaren frischen grünen Kräutern bereiten zu können (Grüne Soße). (Guten Appetit!)

13.12.2016 - Die Frage des Tages: Gab/gibt es das Lucia-Fest auch in Deutschland?
Santa Lucia wird vor allem in Schweden, Norwegen und Dänemark am 13. Dezember gefeiert. Bevor die Gregorianische Kalenderreform kam (in Deutschland 1582, in Schweden 1752), war das der kürzeste Tag im Jahr und wurde mit vielen Lichtern gefeiert. Doch auch aus dem Frankenjura und dem Lechraingebiet sind verschiedene Bräuche zum 13. Dezember bekannt, wie alt sie sind, ist jedoch umstritten.

10.08.2016 - Die Frage des Tages: Gab es im Mittelalter so viele Schafe wie Ziegen?
In archäologischen Publikationen wird bei der Aufzählung von Vieh immer Schaf/Ziege gleich gestellt, da sie im Knochenmaterial schlecht auseinander zu halten sind. Auch die Pergamente aus Schaf oder Ziege sind schwer voneinander zu scheiden. In den Rechtsquellen tauchen Ziegen jedoch weitaus seltener auf als Schafe und Zuwiderhandlungen in Zusammenhang mit Ziegen werden weniger bestraft.

27.03.2016 - Die Frage des Tages: Gab es den 'Sockenschwund', den wir aus der Waschmaschinenforschung kennen, auch schon im Mittelalter?
Archäologisch gesehen gibt es keine Funde von paarigen Socken. Auch in der Kunstgeschichte wird das Motiv der unpassenden Socken und Schuhe gerne als Zeichen der niederen Herkunft genommen, beispielsweise in der Geißelung Christi, bei der die Schergen barfuß, mit unpassenden Schuhen oder nur einem Socken dargestellt werden (z. B. Lucas Cranach). Auch der verlorene Sohn trägt oft nicht zueinander passende Schuhe und/oder Socken (z. B. Hieronymus Bosch). Ob das Phänomen aber auch sprachgeschichtlich schon zu fassen ist, bleibt noch zu erforschen.

09.01.2016 - Die Frage des Tages: Gab es in der Geschichte schon Päpste, die nicht aus Europa kamen?
Ja, denn als Stellvertreter Christi, Haupt des Bischofskollegiums und Bischof von Rom konnte er aus allen Teilen des Römischen Reiches stammen. Allein von den ersten 47(48) Päpsten stammten zwei aus Afrika und einer aus Syrien. Der bisher letzte syrische und damit außereuropäische Papst vor Franziskus war der Heilige Gregor III. (731-741). Selbst der Heilige Petrus als Gründer der Gemeinde Rom war - wie bekannt - nicht aus Italien.

17.12.2015 - Die Frage des Tages: Seit wann sind Ochs und Esel bei der Krippe?
Die Bibel erzählt nicht von Ochs und Esel bei der Weihnachtsgeschichte (z. B. Mt 1,18-24, Lk 2,1-20), sie werden bei Jesaja nur als Zeichen für die Einsichtslosigkeit der Menschen eingesetzt ('Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.' (Jes 1,3). Die älteste Darstellung einer Weihnachtszene mit Ochs und Esel ist ein Flachrelief auf einem Sarkophag aus der Zeit um 350, der in der Kirche von Boville Ernica südöstlich von Rom steht.
Das um 600 entstandene Pseudo-Matthäus-Evangelium schmückt schließlich bildlich die Geschichte mit Ochs und Esel aus, um zu zeigen, das Jesaja recht hatte: 'Da ging in Erfüllung, was durch den Propheten Jesaja gesagt ist ...'(s. o.). Als Bestandteil der 'Legenda aurea' des Jacobus de Voragine (1228/29-1298) wurde das Pseudo-Matthäus-Evangelium ab dem 13. Jahrhundert weit verbreitet und damit waren Ochs und Esel aus der Ikonographie der Weihnachtsgeschichte nicht mehr wegzudenken.

18.09.2015 - Die Frage des Tages: Gab es im Mittelalter schon Zahnbürsten?
Nach unserer Kenntnis nicht. Hildegard von Bingen (1098-1179) empfiehlt für die Zahnpflege tägliches Ausspülen des Mundes, damit sich kein schleimiger Belag bildet.
Gregor von Tours (538-594) rät zu Zahnstochern aus Holz. Exemplare aus Buntmetall sind bereits aus Gräbern des Frühmittelalters bekannt.
Oft werden Zahnstocher und Ohrlöffelchen zu einem Set gebunden aufgefunden.
Das Kauen auf zerfasernden Stöckchen, wie Naturvölker es tun, kann auch für das Mittelalter nicht ausgeschlossen werden, ist aber archäologisch schwer nachzuweisen.

30.04.2015 - Die Frage des Tages: Wie alt ist die Walpurgisnacht?
Goethe hat den Namen Walpurgisnacht durch seine Tragödie Faust (Teil 1, 1808) beliebt gemacht, es gibt aber frühere Belege aus dem 17. und 18. Jahrhundert (Adelungs 'Wörterbuch', 1774—1786; Johannes Praetorius 'Blockes-Berges Verrichtung', 1668). Die Hexen auf dem Blocksberg sind jedoch beeinflusst von der Hexenliteratur des 15. und 16. Jahrhunderts (u. a. Die Chronik des Hans Fründ, 1431).
Walburga (um 710-779/80) war eine englische Adelige, die mit 10 Jahren als Waise im Kloster erzogen wurde. Auf Bitten ihrer Brüder Willibald (Bischof von Eichstätt) und Wunibald (Abt in Heidenheim) kam sie zuerst ins Kloster Tauberbischofsheim in Deutschland und wurde später als Äbtissin nach Heidenheim gerufen. Das Fest der Erhebung ihrer Gebeine als Heilige (1. Mai) wird verschiedentlich in England noch heute in der Nacht vorher gefeiert.

04.04.2015 - Die Frage des Tages: Gab es schon im Mittelalter Ostereier und Osterhasen?
Ostereier, auch bunte, sind schon im Mittelalter bekannt. Sie gehören zu den jahreszeitlichen Abgaben an den Grundherrn; da sie zudem in der Fastenzeit nicht verzehrt werden durften, haben sie im Rahmen der Eierweihe seit dem 12. Jahrhundert sogar einen eigenen Platz in der Liturgie am Gründonnerstag. Hier werden geschmückte Eier, evtl. auch hartgekochte und gefärbte Soleier, geweiht und dienen als segenbringendes Geschenk am Osterfest. Der Hase wird zwar im Mittelalter als christliches Symbol der Dreifaltigkeit genutzt (z.B. im Dreihasenfenster des Paderborner Domkreuzgangs (siehe Bild), versteckt aber volkstümlich erst in der Neuzeit die Eier: damit ist er erstmals 1682 belegt - und konkurrierte je nach Landschaft mit Kuckuck, Storch, Fuchs oder Hahn.
siehe >
Dreihasenbild
➭K. Göbel-Schauerte, Ostern - Brauchtum. In: Lexikon des Mittelalters, Bd 6, Sp. 1519-1520.

15.02.2015 - Die Frage des Tages: Ist Fastnacht ein mittelalterliches Fest?
Ja. Fastnacht bezeichnet das Fest vor der Fastenzeit und wurde besonders im Spätmittelalter gerne durch städtische Verordnungen reguliert, denn ab dem 15. Jahrhundert gehen die Jecken und Narren mit Masken und Verkleidung auf die Straße. Bekannt ist vor allem der Nürnberger 'Schembartlauf', während der Kölner 'Fastelovend' (1341 urkundlich) früher wohl eher ein häusliches Beisammensein war.

28.01.2015 - Die Frage des Tages: Was geschah am 28. Januar?
1077 wurde Heinrich IV. von seinem Kirchenbann freigesprochen, nachdem er vier Tage vorher im Büßergewand vor der Burg Canossa ausgeharrt hatte, wie Lampert von Hersfeld uns mitteilt: Ohne Königsinsignien und Zeichen von Würde stand er vor der Burg, vier Tage lang (im kalten Winter). Doch Lampert von Hersfeld war kein Augenzeuge und konnte daher nicht wissen, dass der Kirchenbann schon drei Tage vorher gelöst wurde und König und Papst sich sehr einvernehmlich auf einen Vertrag geeinigt hatten.

29.12.2014 - Die Frage des Tages: Ersetzte das christliche Weihnachten ein heidnisches 'Julfest'?
Ja und nein. Ursprünglich wurde die Geburt Christi am 6. Januar gefeiert, Papst Liberius (352-366) verlegte den Termin bewusst auf die antike heidnische Feier der Wintersonnenwende (Saturnalien), die im Julianischen Kalender am 25. Dezember lag. Im germanischen Raum gab es ebenfalls ein vorchristliches Mitwinterfest (Midvinterblot), das im Dezember oder Januar begangen wurde, die Überlieferung ist jedoch sehr lückenhaft. Das 'Julfest' ('jul' ist in den skandinavischen Sprachen das Wort für Weihnachten) war dagegen stets christlich, das Wort selbst ist unklarer Herkunft, es könnte auf das griechisch-lateinische 'euangelium', d.h. die frohe Botschaft (der Geburt Christi), zurückgehen und ist ausschließlich als Bezeichnung von Weihnachten belegt.

11.12.2014 - Die Frage des Tages: Weihnachtsmusik: Seit wann gibt es die Drehleier?
ORGANISTRUM ist vom 11. bis 13. Jh. als Bezeichnung für die DREHLEIER bezeugt. Die KLEINERE DREHLEIER wird wahrscheinlich seit dem späteren 12. Jh. SYMPHONIA genannt.
Die wohl einzig erhalte Drehleier ist ein Fehlbodenfund aus Konstanz aus dem 15. Jh. mit trapezförmigem Corpus und einer noch erhaltenen Saite, die Abdeckung für Rad und Tangentenkasten fehlen jedoch.

16.11.2014 - Die Frage des Tages: Brachte der Weihnachtsmann schon im Mittelalter Geschenke?
Ja. Der neuzeitliche Weihnachtsmann ist die protestantische Umdeutung des mittelalterlichen heiligen Nikolaus von Myra. Nach dessen Legende beschenkte er arme Kinder, u.a. gab er drei verarmten Jungfrauen Kugeln aus Gold. So mit einer ordentlichen Mitgift ausgestattet, konnten sie verheiratet werden und mussten sich nicht als Dirnen verdingen. Deshalb erhielten an seinem Namenstag (6.12.) Kinder bereits im Mittelalter traditionell kleine Geschenke. Mit der Reformation wanderten die Geschenke auf den 1. Weihnachtstag und werden seitdem vom 'Christkind' oder dem nun anonymen 'Weihnachtsmann' gebracht.

24.09.2014 - Die Frage des Tages: Was verstand man im 13. Jahrhundert unter 'Mord'?
Wie uns der von Heinrich (VII.) verfasste Landfrieden von 1223 mitteilt, gehört zur Mordanklage immer der Tatbestand der Heimlichkeit. "Wer einen anderen heimlich tötet, was 'Mord' genannt wird, soll mit dem Rad bestraft werden." Auch im wenige Jahre später geschriebenen Sachsenspiegel ist das hinterrücks Erschlagen eines Mannes mit dem Schwert kein Mord, denn das Schwert ist im Gegensatz zum Dolch keine heimliche Waffe.

03.09.2014 - Die Frage des Tages: Waren Ritter so schwer und unbeweglich, dass sie mit einem Kran auf das Pferd gehoben werden mussten?
Nein. Eine Rüstung, die für den Ritter angepasst wurde, ist ca. 28. kg schwer. Das ist nicht schwerer als das Marschgepäck eines modernen Soldaten. Er kann also mit einem Fuß im Steigbügel, eine Hand an den Knauf und 'up he goes' (Zitat Dirk H. Breiding) in den Sattel. Die wohl erste bildliche Darstellung der Szene mit dem Kran stammt aus dem Film 'Henry V.' mit Laurence Olivier von 1944, die er gegen den Willen seiner Berater durchgesetzt hat, weil er diese Idee so gut fand.
siehe >
How to Mount a Horse in Armor and Other Chivalric Problems. Lecture by Dirk H. Breiding, Assistant Curator Department of Arms and Armour, The Metropolitan Museum of Art New York, 31.01.2010.
- Sven Lüken, Elftes Vorurteil: Ein Harnisch wiegt mindestens 200 Kilo. In: Rainer Atzbach und Sven Lüken (Hgg.), Burg und Herrschaft. Berlin und Dresden 2010, 286.

15.07.2014 - Die Frage des Tages: Gab es im Mittelalter bereits Fußballspiele?
Ja. Mannschaftsspiele mit einem Fußball haben vielleicht keltische Vorläufer, sie reichen auf jeden Fall weit zurück. Die in Paris 1320/30 gefertigte Dithmarscher Kanne zeigt eine der ältesten Darstellungen des in Frankreich als "soule" belegten mittelalterlichen Fußballs, wenn auch an der Grenze zum Handspiel. Der bis heute geübte florentinische "calcio storico" wurde bereits im 15. Jahrhundert als adliger und recht gewalttätiger Mannschaftssport betrieben. Obgleich es zahlreiche archäologische Funde von mittelalterlichen Lederbällen gibt, erreichen diese meist nur Faustgröße, waren also wohl keine Fußbälle. Die Erhaltungschance für getretene Bälle ist offenbar zu gering, auch die in der Antike bekannten Stollensohlen (siehe Spiegel.de) fehlen im Mittelalter, aber Neufunde sind nicht auszuschließen.

15.06.2014 - Die Frage des Tages: Wurde Deutsch als Gottesdienstsprache erst von Luther eingeführt?
Nein. Insbesondere die Predigt wurde bereits im Mittelalter in der jeweiligen Landessprache gehalten, sonst wäre sie für den Großteil der Gemeinde unverständlich gewesen und hätte ihren Zweck verfehlt. Der Wanderprediger Berthold von Regensburg (1210—72) eröffnete seine Predigten mit der Frage "Versteht Ihr mein Deutsch?". Der liturgische Rahmen wurde allerdings weitgehend auf Latein gestaltet — die formelhaften Wendungen waren allen geläufig, zumal Gottesdienste ein selbstverständlicher Bestandteil des Wochen-, wenn nicht sogar des Tagesablaufs waren.

04.06.2014 - Die Frage des Tages: Gab es im Mittelalter schon Kanonen?
Ja: Nach der Chronik von Engelbert Wusterwitz kämpfte Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg 1414 um seine Position als Statthalter der Mark Brandenburg gegen den alteingesessenen Adel, allen voran den Quitzows, und schleifte ihre Burgen mit Hilfe einer vom Deutschen Orden ausgeliehenen "großen Büchsen". Die später so genannte "Faule Grete" ist eine von sechs bezeugten bronzenen Steinbüchsen wie die "Dulle Griet" von Gent und die "Faule Mette" von Braunschweig, die mit Hilfe von Schwarzpulver Steinkugeln verschießen konnten.

12.05.2014 - Die Frage des Tages: Wer war der Eisheilige Pankratius?
Der verwaiste Sohn eines reichen Phrygiers reiste der Legende nach mit seinem Onkel 303 nach Rom und wurde dort Christ. Mit seinen ererbten Vermögen half er den Christen in der Stadt. Doch nach dem Tode seines Onkels wurde er auf Grund der Verfolgungsbefehle von Diokletian enthauptet. Sein Grab wird in den Katakomben unter der heutigen Kirche S. Pancratio verehrt. Als Attribut hat er reiche Kleidung und ein Schwert.
siehe >
Heiligenlexikon, sv. 'Pankratius'
- Hiltgard L. Keller, Reclams Lexikon der Heiligen und biblischen Gestalten. Legende und Darstellung in der bildenden Kunst. Stuttgart 1991.

20.04.2014 - Die Frage des Tages: Gab es im Mittelalter bereits Ostereier und den Osterhasen?
Ja. In der vorösterlichen Fastenzeit ist der Verzehr von Eiern untersagt, die deshalb aufgesparten Eier (frisch oder eingelegt) sind als Abgabe an Gründonnerstag sowohl für geistliche als auch weltliche Herren im Mittelalter vielfach bezeugt. Seit dem 12. Jahrhundert ist die 'benedictio ovorum', also die Segnung der Eier im Rahmen einer Speisesegnung als Teil der Hauptmesse am Ostersonntag belegt. Im späten Mittelalter erlangen diese gesegneten Eier wachsende Bedeutung als Geschenk an Kinder, Kranke und Arme, aber auch als magische Heilsbringer kraft des österlichen Segens. Hasenförmige Brote sind in Süddeutschland und Tirol seit dem Ende des Mittelalters belegt, die älteste Erwähnung des eierbringenden Hasen stammt jedoch erst von 1628.

20.03.2014 - Die Frage des Tages: Wurden die Angreifer einer Burg im Mittelalter mit heißem Pech übergossen?
Grundsätzlich nein. Holzpech war ein wertvoller Rohstoff, außerdem ist es sehr aufwändig, flüssigen Teer auf einem engen Wehrgang kochend zu halten, dieser dickt mehr und mehr zu zähflüssigem Pech ein und lässt sich nicht mehr gießen. Freilich wurden Burgen durchaus mit heißen Flüssigkeiten verteidigt: Der Chronist Gallus Anonymus schildert, dass die Belagerer der Stadt Glogau 1109 mit heißem Wasser übergossen wurden. Die Stadt Neuss wehrte im Burgunderkrieg 1474/75 die Truppen Karls des Kühnen u.a. mit "calck wasser", wohl Löschkalk, ab. Es gibt zwar keinen einzigen belastbaren archäologischen Befund zum Einsatz von Teer oder Pech aus den so genannten Pechnasen oder Gusserkern. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass im Augenblick höchster Not auch ein Eimer Teer genutzt wurde, wenn dieser zufällig zur Hand war. In Wirklichkeit handelt es sich wohl um eine Legende, die im Kern auf die spätmittelalterliche Strafe des Teerens und Federns zurückgeht. Der älteste Beleg ist eine Anordnung Königs Richard Löwenherz', Räuber während des Kreuzzuges dergestalt gezeichnet zu verstoßen.

14.02.2014 - Die Frage des Tages: Was wird am 14. Februar gefeiert?
Als das Weihnachtsfest noch am 6. Januar gefeiert wurde, fiel das Fest der Darstellung des Herrn (Mariae Lichtmess, s.u.) auf den 14. Februar. 354 verlegte Papst Liberius das Weihnachtsfest auf den 25. Dezember und damit wurde Mariae Lichtmess auf den 2. Februar verschoben. Daraufhin besann man sich für diesen Tag auf heidnische Bräuche wie das Verloben junger Leute auf Zeit per Losentscheid oder das Verschenken von Blumen, denn die wurden der römischen Schutzgöttin der Familie Juno früher geopfert.
Der Heilige Valentin (von Rom/Terni), dessen Todestag wohl der 14. Februar war, ist seit spätestens 1972 aus dem Heiligenkalender gestrichen, da die Quellenlage zu unsicher ist.

02.02.2014 - Die Frage des Tages: Was hat es mit Mariae Lichtmess (2. Februar) auf sich?
Der 40. Tag nach Weihnachten gedenkt ursprünglich der Darstellung Jesu im Tempel: Eine Mutter war nach jüdischem Glauben bis zum 40. Tag nach der Geburt unrein und musste sodann ein Reinigungsopfer im Tempel darbringen, daher auch die mittelalterliche Bezeichnung 'Mariae Purificatio [=Reinigung]'. Jesus wurde als erstgeborener Sohn Josefs zugleich offiziell 'dargestellt', also dem Priester präsentiert. Hierbei erkannten der greise Simeon und die Prophetin Hanna Jesus als Messias. Die jüngere Bezeichnung 'Lichtmess' geht darauf zurück, dass eine heidnische, römische Lichterprozession im 5. Jahrhundert zu einer Begrüßungsprozession für den neugeborenen Sohn Gottes umgedeutet und Teil des Heiligenfestes wurde. Im Mittelalter verschob sich die liturgische Perspektive von Jesus auf Maria. Dieser 'weibliche' Heiligentag war ein verbreiteter Stichtag für Beginn und Ende des Dienstes der Mägde. Im Schwank 'Das schlaue Gretlein' (auch: 'Gredlein zu Lichtmess') aus dem 15. Jahrhundert nutzt eine Magd die Verhandlungen um die Verlängerung ihres Dienstes an Lichtmess zur Erpressung ihrer Herrin, deren Liebschaft mit dem Pfarrer sie beobachtet hatte.

28.01.14 - Die Frage des Tages: Karlsjahr - Was geschah am 28. Januar unter dunklen Vorzeichen?
Wer die weit im Vorfeld schon sichtbaren Vorzeichen (Sonnen- und Mondfinsternis, Blitzeinschlag, Sonnenflecke, Erdbeben) richtig deuten konnte, hätte gewusst, dass Karl der Große am 28. Januar 814 ("V. Kalendas Februarii, hora diei tertia") nach sieben Tagen Krankheit von den Lebenden schied. Solche Vorzeichen hat auch schon Sueton beobachtet, als er die Tode von Augustus, Caligula und Claudius beschrieb, sie sind also als Zeichen zu werten, dass Karls Biograf Einhard ihn auf eine Stufe mit diesen anderen mächtigen Männern stellen wollte.

17.01.14 - Die Frage des Tages: Was geschah am 17. Januar?
Am 17. Januar 1328 ließ sich Ludwig der Bayer (1281/82-1347) in Rom zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches krönen. Der Papst Johannes XXII. weilte in Avignon und war nicht gewillt, den deutschen König zu einer Stärkung seiner Macht in Italien zu verhelfen. Daraufhin entbrannte ein Rechtsstreit zwischen beiden Parteien mit Kirchenbann des Königs und Infragestellung der Rechtgläubigkeit des Papstes. Daher ließ Ludwig sich in Rom von Vertretern des Senats krönen, erkor danach einen Gegenpapst (Nikolaus V.) und ließ sich von ihm noch einmal am 12. Mai die Krone aufsetzen.
siehe >
- Schmid, A.: Ludwig der Bayer. In: Lexikon des Mittelalters, Bd 5, Sp. 2179.

15.12.13 - Die Frage des Tages: Stammt der Amtseid der Kanzlerin aus dem Mittelalter?
Es gab zwar keinen Herrschereid im Mittelalter, der Kanzlereid steht aber dennoch in mittelalterlicher Rechtstradition: Die altertümlichste Passage "Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden (...) werde", geht über die Weimarer Verfassung auf den Kaisereid der Paulskirchenverfassung vom 28. März 1849 (Abschnitt VII, Art. § 190) zurück. Hier schimmert der mittelalterliche Kaisertitel "Mehrer des Reiches" durch, die mittelalterliche deutsche Übersetzung des antiken "Augustus" (fälschlich abgeleitet aus lat. augere = dt. mehren). Spätestens seit Karl V. musste der Erwählte Römische Kaiser tatsächlich eine "Wahlkapitulation" beeiden, also eine Verpflichtungserklärung. Karl V. schwor am 3. Juli 1519 "daz Wir in Zeit solicher Kuniglicher Wirde, (...) in sonderheit in dem Heiligen Reiche Friden, Recht und Ainigkeit phlanzen und aufrichten und verfugen sollen und wellen", das Gemeinwohl also schützen und mehren zu wollen.

10.11.2013 - Die Frage des Tages: Warum essen wir Gänsebraten am Martinstag?
Martin (316/17-397), ein römischer Soldat (der mit dem Mantel), später Asket, wurde auf Druck des Volkes zum Bischof von Tours gewählt. Weil er nicht wollte, versteckte er sich in einem Gänsestall, wurde aber von dem Federvieh verraten.
Eine andere Geschichte besagt, dass die Gänse in die Kirche trotteten und seine Predigt störten. Sie wurden daraufhin geschlachtet und in einem Festmahl verspeist.
Der Martinstag (11.11.) war der Tag für Abgaben, z. B. für den Grundzins in Form von Geld und Naturalien und dem Recognitionszins, meist in Form eines Huhnes oder einer Gans.

22.09.2013 - Die Frage des Tages: Wer wählte im Mittelalter den "Regierungschef"?
Seit 1356 wurden die bestehenden Wahlmodalitäten in der "Goldenen Bulle" geregelt: Der Erzbischof von Mainz als Reichserzkanzler solle innerhalb von 30 Tagen nach dem Tode des Königs das Wahlgremium in der Bartholomäuskirche in Frankurt/Main zusammenrufen.
Das Wahlgremium bestand aus 7 Kurfürsten: die drei Reichserzkanzler für Deutschland, Italien, Burgund (die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier), sowie der Erztruchsess, Erzmarschall, Erzkämmerer und der Erzmundschenk des Reiches. Ab dem 17. Jahrhundert kamen weitere hinzu.
siehe >
MGH LL Fontes iuris 11, 53.

26.08.2013 - Die Frage des Tages: Schulanfang - Was lernte der spätere Kaiser Friedrich II. als Muttersprache?
Der letzte staufische Kaiser Friedrich II. war offenbar sehr sprachbegabt und beherrschte mindestens Deutsch, Italienisch und Lateinisch, vielleicht auch Griechisch und Arabisch. Seine Muttersprache war jedoch wohl Französisch: seine Mutter, Königin Konstanze von Sizilien, gehörte zum normannischen Herrscherhaus, das wie die normannische Oberschicht Siziliens noch lange nach der Eroberung Süditaliens und Siziliens 1130 an der Sprache der Heimat, der Normandie, festhielt.
siehe >
- Klaus van Eickels: Friedrich II. In: Die deutschen Herrscher des Mittelalters, hg. v. Bernd Schneidmüller/Stefan Weinfurter, München 2003, S. 293—314.

06.07.2013 - Die Frage des Tages: Gab es im Mittelalter schon Urlaub?
Das Wort ist mit 'Erlaubnis' verwandt und bedeutet den vorübergehenden Abschied aus dem Dienst mit ausdrücklicher Genehmigung des Dienstherrn. Die Anzahl der arbeitsfreien Tage im Mittelalter — die Feiertage — entsprach übrigens etwa dem modernen Urlaubsanspruch von ca. sechs Wochen.

09.06.2013 - Die Frage des Tages: Gab es im Mittelalter schon sommerliche Hochwasserkatastrophen?
Ja. Der Stadtschreiber Johan von Heinzenberg notierte 1542 im Ratzinsbuch der Stadt Wetzlar: 'Anno domini XVc zweiundvierzig am freitage nach vincula Petri ware der vierte tag des monats Augusti, so ist eine soeliche groß ungestuemme ungewitter, platzregen und wasserflut kommen und ist die Wetz, so man nennet die Nauferer bach, so groß und ungestummiger flut gewesen, das pferde ertrunken, etliche wagen und kerren entflussen, darzu har dasselbige wasser die wiesen und gaertene, so allern nest uff beiden seiten des wassers gelegen und wes in den gaertenen gestanden ganz verfloeßet und zum teile sampt dem guten grund hienweg gefueret.[...]'
siehe >
- Wolf Erich Kellner, Johann Philipp Chelius (1610-83). Die Reichstadt Wetzlar und die Anfänge ihrer Geschichtsschreibung. In: Mitteilungen des Wetzlarer Geschichtsvereins Heft 20, Wetzlar 1962, S. 158.
- Klaus Engelbach, Eine Sturzregenkatastrophe an der mittleren Lahn gegen Mitte des 13. Jahrhunderts. In: Mitteilungen des Wetzlarer Geschichtsvereins Heft 41, Wetzlar 2003, S. 14.

03.06.2013 - Die Frage des Tages: Was war ein Pfennig wert?
Der jüdische Händler Ibn Ya'qub erzählt in seinen Reiseberichten aus dem 10. Jahrhundert, dass man in Prag für einen Pfennig 10 Hühner kaufen konnte. Gerste für einen Pfennig war genug für die Versorgung eines Reittieres für 40 Nächte. In dem Geldspendewunder der Heiligen Elisabeth verschenkte sie 1228 an einem Tag einen großen Betrag aus ihrem Witwengut: jeder Anwesende bekam 6 Kölner Pfennige: davon konnte jeder sich vier Brote, zwei Maß Wein, fünf Pfund Ochsenfleich, ein Huhn, zwei Dutzend Heringe und zwei Schuhsohlen kaufen.

11.05.2013 - Die Frage des Tages: Wer war der erste der Eisheiligen, Mamertus?
Mamertus (*um 400-477) war Bischof von Vienne. Er führte die 'Drei Bittgänge' vor Christi Himmelfahrt ein, um seine Stadt vor Feuer und Erdbeben zu schützen. Als Attribut hat er daher das Feuer und den Bischofsstab. Er ist der Schutzheilige der Armen, Hirten und der Feuerwehr.

01.05.2013 - Die Frage des Tages: Wann kamen die Nassauer nach Holland?
1255 wurden die Besitzungen Heinrichs II., Graf von Nassau, unter seine Söhne geteilt. Die nördlich der Lahn gelegenen bekam sein Sohn Otto I., seine Linie wurde die ottonische Linie genannt. Die südlichen Güter wurden Walram II. vermacht, seine Linie heißt nach ihm walramische Linie. Die ottonische Linie wurde nach Ottos Tod unter seinen Söhnen weiter geteilt. Die Linie Nassau-Dillenburg unter der Leitung von Johann I. erwarb 1403/04 Breda und erbte 1420 Vianden. Sein späterer Nachfolger Heinrich III. (1483-1538) wurde unter Maximilian und Karl V. Statthalter von Holland und Seeland und bekam durch die Heirat mit Claudia von Chalon und Orange das Fürstentum Oranien in Südfrankreich.

30.04.2013 - Die Frage des Tages: Gab es im Mittelalter die Strafe des Teeren und Federns?
Ja. Richard Löwenherz verfügte 1190, dass ein überführter Dieb auf Kreuzzug geschoren, sein Haupt mit Teer bestrichen und Federn überschüttet, damit er beim nächsten Hafen erkennbar war und an Land gesetzt werden konnte. Eine ähnliche Bestimmung findet sich im Norwegischen Stadtrecht des 13. Jahrhunderts. Für Deutschland sind bisher keine Belege gefunden worden.

26.04.2013 - Die Frage des Tages: Wo liegt der Ursprung unserer Begrüßungsformel?
Begrüßung und Abschied spielten im Mittelalter eine wichtige Rolle. Dabei handelte es sich nicht nur um leere Höflichkeitsfloskeln, sondern um eine bewusste Wahrnehmung der begrüßten Person oder aber das Aussprechen eines guten Wunsches beim Abschied. Verweigerte man einen Gruß, war das eine klare Feindseligkeit. Ein ausgesprochener Gruß dagegen war immer mit einem Friedensangebot gleichzusetzen. Obwohl die Gebärden vor allem beim Zeremoniell eine große Rolle spielten, wurzeln der uns geläufige Händeschlag oder das nun veraltete Hutabnehmen als Begrüßungsgesten in der Neuzeit. Im mittelalterlichen Alltag waren Umarmung oder Kuss geläufig, aber vor allem gesprochene Formeln, von denen viele aus der christlichen Tradition hervorgingen. So ist das heutige, in Süddeutschland verbreitete "Grüß Gott" eine verkürzte Form des spätmittelalterlichen "Sei gegrüßt im Namen Gottes". Das heute neutral klingende "Guten Tag", "Guten Morgen" und "Gute Nacht" sind in den Wünschen "Gott gebe Dir einen guten Morgen (Tag, Nacht)" zu suchen. Beim Abschied kannte man "Ade" — "Adieu" - von lat. "ad deum" — in der Bedeutung "Gehe mit Gott" — aus dem sich das deutsche "Tschüs" ("atschüs"/"adjüs") entwickelte.
siehe >
- Fuhrmann, Horst, Überall ist Mittelalter. Von der Gegenwart einer vergangenen Zeit. München 1998 (3. Aufl.), S. 36ff.;
- Schubert, Ernst, Alltag im Mittelalter. Natürliches Lebensumfeld und menschliches Miteinander. Darmstadt 2012 (2. Aufl.), S. 158ff.

24.04.2013 - Die Frage des Tages: Gab es eine deutschsprachige Bezeichnung für 'April'?
Ja. Die Bezeichnung des Monats April hat ihren Ursprung, wie auch die der übrigen elf Monate, im lateinischen Monatsnamen. Die Monatsnamen wurden zusammen mit dem julianischen Kalender übernommen und manchmal leicht abgewandt (mhd. 'abrille', 'abrelle'). Die Bedeutung des lateinischen Wortes 'aprilis' ist nicht sicher geklärt. Man nimmt an, dass es den 'zweiten' oder 'folgenden' bedeutet, weil April ursprünglich der zweite Monat im römischen Kalender war. Die Bedeutung des Wortes wird aber ebenfalls im lat. 'aperire' — 'öffnen' gesucht und in den Kontext des Frühlings sowie der aufblühenden Pflanzen gestellt. Es existierten jedoch durchaus deutschsprachige Worte für die zwölf Monate. Karl der Große (747—814) unternahm den Versuch, solche Monatsnamen einzuführen. Diese gewannen jedoch nie an Popularität und konnten die lateinischen Bezeichnungen im Alltag nicht verdrängen, wenn sie auch in den schriftlichen Quellen durchaus anzutreffen sind. Der althochdeutsche 'ôstarmânôth' und der mittelhochdeutsche 'ôstermânôt' bezogen sich wohl auf die Zeit, in der häufig Ostern gefeiert wurde.
siehe >
Krünitz, Ökonomische Enzyklopädie, Bd. 2, Sp. 323
Lexer, Mittelhochdeutsches Wörterbuch, Bd. 2, Sp. 178
- A. Gawlik, Monat. In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 6, München 2003, Sp. 732;
- H. Grotenfend, Die Zeitrechnung des Mittelalters und der Neuzeit. 2 Bde. Hannover 1891, S. 125ff. (http://www.manuscripta-mediaevalia.de/gaeste/grotefend/grotefend.htm)

17.04.2013 - Die Frage des Tages: Was ist ein Typar?
Typare sind Siegelstempel. Viele Menschen des Mittelalters führten solche Stempel, um Dokumente zu legitimieren. Typare wurden von Siegelschneidern auf Bestellung hergestellt. Da die meisten Stempel mit bis zu 4cm Länge oder Durchmesser sehr klein waren, musste der Siegelschneider ein sehr geschickter Graveur sein. Neben einem zentralen Siegelbild zeigen die Typare Verzierungen wie Perlstäbe um Bild und Umschrift und eben die Umschrift, die den Siegelhalter und oft auch seine gesellschaftliche Stellung und seine Funktion nennt. Alles das musste natürlich spiegelbildlich geschnitten werden, damit es auf dem Siegel lesbar war. Siegelhalter konnten hohe und niedere Adlige, Kleriker, aber auch Kaufleute und andere Bürger sein. Selbst ein Fährmann konnte sein eigenes Siegel führen. Das Siegelbild war eine Darstellung, mit der sich der Siegelhalter identifizieren konnte. Dabei waren der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Häufig bediente man sich christlicher oder ritterlicher Symbolik. Um ein Dokument zu legitimieren, drückte der Siegelhalter den Stempel in eine Wachsmasse, die mit einer Schnur an der Urkunde befestigt war. Häufig schützte man die brüchigen Siegel mit Papierumschlägen, Stoffsäckchen oder gedrechselten Holzdöschen mit Deckel.
siehe >
Glossar Sphragistik
- Diederich, Toni, Siegelkunde: Beiträge zu ihrer Vertiefung und Weiterführung. Wien [u.a.] (2012); - Ansorge, Jörg, Siegelstempel und Siegel im archäologischen Fundgut. (2005) - In: Archäologie unter dem Straßenpflaster. 15 Jahre Stadtkernarchäologie in Mecklenburg-Vorpommern.

10.04.2013 - Das Rezept des Tages: Hühnchen mit verschiedenen Gewüzen
(Dit sint honer in commine)

Man schneide ein Huhn in Stücke und koche es mit der Leber zusammen in Wasser. Pfeffer, Zimt, Safran und geröstetes Brot dazugeben, mit Schmalz, Essig und Salz abschmecken.
siehe >
Libellus de arte coquinaria: An Early Northern Cookery Book. Edited and translated by Rudolf Grewe and Constanze B. Hieatt. Tempe 2001. (Vier Abschriften eines verschollenen Buches vom E. 13./Anf. 14. Jh., darunter eine Abschrift aus der ➭Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Helmst. 1213).

31.03.2013 - Die Frage des Tages: Heißt Ostern nach der "germanischen Göttin Ostara"?
Nein. Es gibt nur eine einzige Belegstelle für diese Göttin: Der angelsächsische Gelehrte Beda Venerabilis (673/4-753) erklärte die Etymologie des Ostermonats (eosturmonath) mit dem Namen einer Göttin "Eostre", deren Fest einst in diesem Monat gefeiert worden sei. Zu seiner Zeit war das Heidentum in Northumbrien (Christianisierung 627) lange erloschen, so dass es sich wohl eher um eine gelehrte Mutmaßung handelt. Es fehlt jegliche Parallelüberlieferung im länger heidnischen Raum Skandinaviens, etwa in der Edda oder anderen Sagas; auch die vorchristlichen Runeninschriften kennen keine Göttin dieses Namens. Weit plausibler ist deshalb die Herleitung des Wortes "Ostern" aus dem indoeuropäischen Wortstamm "austr*" (lat. auster, engl. east, dt. Ost) für "Osten", "(Sonnen-)Aufgang" - oder auch "Auferstehung", beginnt doch die Auferstehungsfeier Christi mit dem Sonnenaufgang am Ostersonntag.

29.03.2013 - Die Frage des Tages: Gab es die Päpstin Johanna?
Nein, aber die Legende hat einen wahren Kern. Es gibt seit dem späten 11. Jahrhundert vereinzelte Berichte über eine Frau namens Johanna, Jutta, Glancia, Agnes oder Gilberta, die im 9. Jahrhundert als Mann verkleidet zum Papst aufstieg. Die bekannte Ausformung (Frau folgt Geliebtem verkleidet ins Kloster, steigt in der Hierarchie 855 bis schließlich zum Papst auf, gebärt während Prozession Kind, stirbt bei Geburt 857) erscheint erstmals bei Martin von Troppau 1277, also im Todesjahr Johannes XXI. Die Schmählegende entstand im Zusammenhang mit dem Investiturstreit und wurde durch einen Zählfehler bei der Namenswahl des verstorbenen Papstes befeuert (Johannes XXI. ist eigentlich Johannes XX.), hier mag sicher auch die Erinnerung an die "Pornokratie" der skrupellosen Senatrix Marozia (gest. vor 936) eingeflossen sein, die im späten 9. Jahrhundert zur römischen Herrscherin aufstieg: angeblich aus ihrem Ehebruch mit Papst Sergius III. ging ihr Sohn, der spätere Papst Johannes X. hervor. Besondere Verbreitung erlangte die Mär von der Päpstin während der Reformation. In den vatikanischen Quellen des 9. Jahrhunderts (bes. liber pontificalis) und zeitgenössischen Chroniken fehlen jedoch alle Hinweise auf die von Martin von Troppau berichteten Geschehnisse, so dass die Ereignisse wohl stark ausgeschmückt wurden und als reine Propaganda anzusehen sind.
siehe >
- Martin von Troppau, ➭MGH Scriptores in folio (SS) 22, Martini Oppaviensis Chronicon Pontificium et Imperatorum, 428.
- K. Herbers, Die Päpstin J., Historisches Jahrbuch 108, 1988, 174-194.
- H. Zimmermann, Das dunkle Jahrhundert. Graz 1971.

15.03.2013 - Die Frage des Tages: Hexensabbat - Seit wann gibt es die Börse?
Die Familie von der Beurse aus Brugge hielt in regelmäßigen Abständen Wertpapierhandel ab. Ihr Haus wurde 1409 zur ersten "Börse". In Deutschland folgten 1540 die ersten Gründungen in Augsburg und Nürnberg, 1585 in Frankfurt a. M.

01.03.2013 - Die Frage des Tages: Seit wann gibt es das Konklave?
Auf dem 2. Konzil von Lyon 1274 wurde festgelegt, dass 10 Tage nach Eintritt der Vakanz die Kardinäle eingeschlossen werden, damit bald und unbeeinflußt von Außen die Wahl stattfinden kann.
siehe > Lexikon des Mittelalters, s.v. "Konklave" (B. Roberg), Bd 5, Darmstadt o.J. , Sp. 1334.
Seitdem sind viele Änderungen vorgenommen worden: heute wird frühestens ab dem 15. Tag nach der Vakanz gewählt.

25.02.2013 - Die Frage des Tages: Warum will niemand Pferdefleisch essen?
In Deutschland gibt es eine breite Ablehnung gegen den Verzehr von Pferdefleisch. Dies geht auf eine lange Tradition zurück, eine Wurzel ist höchstwahrscheinlich in einem christlichen Tabu zu sehen, das während der Mission der heidnischen Stämme eingeführt wurde. Wahrscheinlich gehörte die Opferung und der anschließende Verzehr des Tieres zum heidnischen Wotankult. Um diesen auszurotten, aber auch wegen des hohen Wertes der Pferde als Reittier vor allem in Kriegszeiten, schrieb Papst Gregor III. 732 an Bonifatius, er dürfe den Konsum von Pferdefleisch nicht erlauben und solle eine angemesse Strafe androhen.
Das schmackhafte und medizinisch unbedenkliche Pferdefleisch ist in weiten Teilen der Welt — auch in Teilen Europas — eine beliebte Abwechslung des Speiseplans.
siehe >
MGH Epistolae (EE 28), Bonifatii Epistola (22-28).

14.02.2013 - Die Frage des Tages: Wer war Valentin?
Verschiedene Legenden und Männer überschneiden sich:
1. Wanderbischof, der 470 in Mais (Meran) gestorben ist.
2. Bischof von Terni, der 268 enthauptet wurde, weil er einen verkrüppelten Knaben geheilt hat, daher hat er als Attribut ein Schwert und einen verkrüppelten Knaben.
siehe >
Heiligenlexikon sv. 'Valentin von Terni'
3. Priester in Rom, der trotz eines Verbotes von Kaiser Claudius II. Liebespaare nach christlichem Zeremoniell getraut hat und dafür 296 enthauptet wurde.


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