Das Gleichnis Jesu mit dem Kamel und dem Nadelöhr (Markus 10,25: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ So ähnlich auch bei Lukas 18,25 und Matthäus 19,24) stellt viele Fragen auf: Warum sollte ein Kamel durchs Nadelöhr wollen?
Eine der lustigsten Deutungen dieses Vergleichs schlägt vor, dass die Rede von einer Gasse in Jerusalem sei, die sehr eng und mit einem kleinen Tor an ihrem Ende behaftet war, das im Volksmund „Nadelöhr“ hieß. Hier konnte ein Kamel nur durchkommen, wenn es kniete und nicht mit zu viel Gütern bepackt war. Diese Gasse gibt es nicht, aber eine bildliche Darstellung findet sich in der Dortmunder Bonifatiuskirche.
Eine andere Deutung geht davon aus, dass nicht ein Kamel, sondern ein Tau gemeint (statt kamelos; dt.: „Kamel“, „Karawane“, kamilos, dt.: „Schiffstau“, „Seil“). Vor allem im armenischen und georgischen Bereich wurden Bibelübersetzungen mit dem Tau gefunden. Die älteste Quelle mit „kamilos/Tau“ findet sich in der syro-aramäischen Peschitta-Bibel, die auf ca. 145 n. Chr. datiert ist.
Ist also die „Tau“-Variante älter und die „Kamel“-Variante nur eine Verballhornung oder in dem Bereich der Volksetymologien zu suchen?
Fragen über Fragen …
➭ Bauer und Aland: Wörterbuch zum Neuen Testament (1988).
➭ Boisacq: Dict. etym., Bröndal und Haupt: „Camel and Cable“ (American Journal of Philology 45).